Coachhub 8 1/2 Dinge, die Ihr über Job Crafting wissen solltet

1. Wofür und was es ist
Wenn sich meine Tochter ein neues Paar Schuhe ordert, dann bestellt sie nicht von der Stange – nein, die Schuhe müssen customized werden: Die Ferse in dieser Farbe, die Nähte in jener, die Ösen so, der Gummi-Sohlenrand so, und die Schnürsenkel – ja, welches Design sollen nur die Schnürsenkel haben, damit man auf dem Pausenhof gut rüberkommt? Der Schuh, eigentlich von einer Massenmarke, ist ein hoch personalisiertes Ding. Und doch ist es: ein Schuh.Wir personalisieren unsere Autos, individualisieren unsere Handies – aber was ist dann mit der Arbeit? Soll der Job, in den wir so viel Zeit und Energie investieren, wirklich von der Stange sein? Oder macht es nicht auch Sinn, die eigene Stelle hier zu customizen und da zu personalisieren – so dass das, was wir tun, ein Stück besser passt zu uns, zu unseren Stärken, Werten, Erfahrungen, Talenten?Darum geht’s beim Job Crafting: Sich die aktuelle berufliche Tätigkeit ein wenig mehr auf den Leib schneidern.Die letzten drei Jahre haben so viel Veränderung mit sich gebracht – die meisten von uns machen eh ihren Job um einiges anders als noch 2019. Außerdem leben wir inzwischen in einer Zeit des Fachkräftemangels, der die meisten Branchen betrifft. Talente findet und bindet nur, wer den Beschäftigten ermöglicht, zumindest etwas näher an ihren Bedürfnissen und Stärken entlang zu arbeiten. Denn, wie gesagt: Aus anderen Lebensbereichen kennen wir diese Form der Individualisierung sowieso…
2. Was es bringt
Job Crafting kann viele Vorteile für Einzelne, Teams und Organisationen bewirken, das hat die Forschung aus der Positiven Psychologie, der Arbeits- und der Organisationswissenschaft in vielen Studien in den vergangenen Jahren gezeigt: Höhere Arbeitszufriedenheit, weniger Konflikte, besseres Verhältnis zur Führungskraft, stärkere Performance, höhere Kundenzufriedenheit, das sind einige der Ergebnisse aus der Forschung. Auch die gesundheitliche Belastung in körperlich arbeitenden Berufsgruppen kann, das haben Untersuchungen etwa in skandinavischen Logistikunternehmen gezeigt, durch Job Crafting reduziert werden. Auch für DE&I-Verantwortliche oder Personal- und Führungskräfte, die Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen oder unterschiedlichen Lebenssituationen (wieder) besser integrieren wollen, bietet Job Crafting interessante Perspektiven an.
3. Konkrete Ansätze
Aber wie genau kann Job Crafting funktionieren? Hier ein paar Anregungen für mögliche Denk- und Handlungsrichtungen:
- Ich kann mir die Spielräume bei der Auswahl, der zeitlichen Abfolge oder dem Wo von Tätigkeiten vergegenwärtigen und diese entsprechend verändern.
- Ich kann mir überlegen, mit welchen Kolleg:innen oder beruflichen Partner:innen ich gerne mehr zusammenarbeiten möchte (Dienst- und Schichtpläne, Projekte, Initiativen).
- Ich kann mir besonders langweilige, Routine- oder sonstwie unangenehme Tätigkeiten vielleicht dadurch ein wenig versüßen, dass ich mir deren Wert für andere, deren Bedeutung im Organisationskontext bewusster mache.
- Ich kann die Ressourcen, die mir für die Erledigung meiner Arbeit zur Verfügung stehen, erhöhen. Und ich kann möglicherweise auch auf die Anforderungen an mich anpassen.
Die Job Crafting-Forschung unterscheidet außerdem zwischen annäherungs- („mehr von…“) und vermeidungsorientiertem Job Crafting („weniger von…“) – wobei ersteres offensichtlich deutlich wirksamer ist als letzteres.
4. Stärken stärken
Stärkenorientiertes Feedback meiner Führungskraft oder Kolleg:innen; ein Stärkentest (Gallup Strengths, VIA…) oder auch ein stärkenorientiertes Coaching: Das sind mögliche Wege, um die eigenen Stärken besser kennenzulernen. Und herauszufinden, welche schlummernden Stärken ich durch Job Crafting vielleicht noch stärker ausspielen könnte.
5. Kontext berücksichtigen
Wer alle unangenehmen Tätigkeiten weg-craftet und andere übergibt und sich nur noch die Rosinen herauspickt, macht sich natürlich schnell unbeliebt im Team – und kann damit auch echte negative Effekte von Job Crafting befördern. Das Umfeld, den Kontext im Blick haben sollte also bei wirksamem Job Crafting unbedingt dazugehören!
6. Ausprobieren
Haben wir nicht in den vergangenen Jahren enorm viel probiert und disruptiert, weil wir es mussten, und zwar über Nacht? Aus dieser Haltung heraus könnten Sie doch auch mal kleinere oder größere Experimente in Sachen Job Crafting wagen, die Sie von vornherein zeitlich begrenzen, so nach dem Motto: ich probiere das jetzt mal so, und in drei Monaten schaue ich, was sich verbessert, verschlechtert oder gar nicht verändert hat. Job Crafting lebt nicht vom Nachdenken, sondern letztlich vom Tun und Machen!
7. Vorleben und Fördern
Wie gesagt, gutes, motiviertes Personal ist in vielen Bereichen Mangelware. Führung und HR sollten daher aus meiner Sicht:Die Vorteile und Wirkweisen von Job Crafting kennenSelbst Job Crafting vorlebenMit den Mitarbeitenden zu Job Crafting ins Gespräch kommen, etwa im JahresgesprächErfolgreiche Beispiele von Job Crafting bekannter machen in und außerhalb der Organisation.
8. Coaching
…und auch Coachees und Coaches sollten sich mit Job Crafting befassen, wenn sie das nicht sowieso schon tun – und ihre KlientInnen dabei unterstützen. Denn in einem maßgeschneiderten, ressourcenorientierten Reflexions- und Entwicklungsprozess – genau das ist ja gutes Coaching – lässt sich Job Crafting wunderbar begleiten, vertiefen, verfestigen!
8,5. Mehr lernen…
… über das Thema können Sie in meinem aktuellen Buch „Job Crafting. Erfolgreicher und erfüllter arbeiten – mit Hilfe der Positiven Psychologie“ (Springer Gabler, 2023); in Rob Bakers großartigem Buch „Personalization at Work: How HR Can Use Job Crafting to Drive Performance, Engagement and Wellbeing“ (Kogan Page 2020); oder auf dem CoachHub-Summit im Sommer 2023 in Berlin – mehr Infos dazu demnächst hier.Bis dahin schon mal: Happy Crafting!
FAQ
Digitale Transformation bedeutet, Geschäftsmodelle, Prozesse und Wertschöpfung grundlegend neu auszurichten, um in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld erfolgreich zu bestehen.
KI entfaltet ihre transformative Wirkung jedoch nur dann, wenn sie konsequent in operative Abläufe, Führungsgrundsätze und die Unternehmenskultur integriert wird. Ohne strukturelle Anpassungen und veränderte Arbeitsweisen bleibt KI ein leistungsfähiges Instrument mit begrenzter strategischer Tragweite.
Ist KI nachhaltig verankert, stärkt sie Innovationsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit. Sie fungiert sowohl als Beschleuniger der digitalen Transformation als auch als strategische Kernkompetenz im modernen Unternehmen.
Die Einschätzung der KI Reife beschränkt sich nicht auf eine Bewertung der technischen Infrastruktur. Entscheidend ist ebenso, ob strategische Klarheit im Führungskreis besteht und ob die Organisation über die notwendige Veränderungsfähigkeit verfügt.
Zentrale Leitfragen können sein:
- Gibt es im Top Management ein einheitliches und verbindliches Zielbild für den Einsatz von KI?
- Werden Prozesse und Rollen aktiv weiterentwickelt, um KI sinnvoll und effizient einzubinden?
- Sind Führungskräfte ausreichend qualifiziert, um ihre Teams durch Unsicherheit und Wandel zu führen?
- Verfügen Mitarbeitende über die erforderlichen Kompetenzen und das Vertrauen, KI verantwortungsvoll und zielgerichtet einzusetzen?
- Existiert ein strukturierter Maßnahmenplan, um Verhaltensänderungen nachhaltig zu begleiten?
KI Reife ist in gleichem Maße eine Frage der Haltung und Kompetenz wie der Technologie. Unternehmen, die gezielt in Führungskräfteentwicklung, Veränderungsfähigkeit und eine belastbare Leistungsmessung investieren, schaffen die Voraussetzungen, um strategische KI Vorhaben dauerhaft in messbare Ergebnisse zu überführen.
Die zentralen Herausforderungen liegen in der Regel nicht im technologischen Bereich, sondern auf der Ebene von Verhalten und Organisation. Typische Hürden sind kulturelle Widerstände, Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen Rolle, unklare Zielbilder sowie fehlende Abstimmung im Führungskreis.
Darüber hinaus wird der Aufwand für nachhaltige Verankerung häufig unterschätzt. Eine einmalige Einführung oder ein isoliertes Trainingsangebot reicht meist nicht aus. Ohne kontinuierliche Begleitung, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Reflexionsräume verliert die Initiative an Dynamik und die Integration stagniert.


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