BANI löst VUCA ab: Warum wir gerade jetzt eine Coachingkultur brauchen

Gemeinhin beschreibt seit einigen Jahrzehnten in der wirtschaftswissenschaftlichen und HR-Szene das englische Akronym VUCA für den Zustand der Businesswelt. Erstmals verwendet wurde der Begriff VUCA von den Ökonomen Warren Bennis und Burt Nanus in ihrem Buch „Leaders. The Strategies for taking Charge”, das bereits 1985 erschien. Das War College der US-Armee reagierte in den 1990er Jahren mit „VUCA“ auf den Zusammenbruch der Sowjetunion (siehe hier), danach setzte sich der Begriff langsam in der Businesswelt durch. VUCA beschreibt unsere Welt als: volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig.Wenn wir an die Coronakrise denken, würden die meisten Menschen wohl zustimmend nicken: das war und ist eindeutig VUCA.Doch derzeit avanciert gerade ein neues Akronym zum Star, das den Zustand der Welt treffender erklären will: BANI. Es steht für brüchig, ängstlich, nonlinear und unverständlich.In seinem Artikel „Facing the age of chaos“ beschrieb Zukunftsforscher Jamais Cascio wenige Wochen nach offiziellem Ausbruch der Corona-Pandemie, dass wir in ein neues Zeitalter eingetreten sind: „Für ein neues Paradigma brauchen wir eine neue Sprache“, so Cascio.BANI klingt jetzt noch weniger erbaulich als VUCA es war. Cascio schreibt selbst „The end is near“ und so wirkt BANI auch. Das gefühlte BANI-Erleben führt Menschen mitunter in die Angst, in die Überforderung, in die Ohnmacht, in eine Dystopie, aus der es kein Entrinnen gibt. Es macht handlungsunfähig, perspektivenlos und depressiv, wenn wir nicht aufpassen.Doch der Autor beschreibt nur eine Seite der Medaille.Die andere ist: es kommt immer darauf an, wie wir damit umgehen – und auch wenn wir dank BANI nichts mehr in der Hand haben, das können wir sehr wohl kontrollieren.Von selbst ist das leider selten möglich, wie auch die Corona-Krise zeigt. Hier haben pandemiebedingte Ängste und Depressionen deutlich zugenommen.Gerade in dieser Umbruchzeit, ist es wichtig, sich in seinem Inneren zu stabilisieren, wieder zur Ruhe zu kommen. Hier spielen Coaches – ob im Business- oder im Lebensk ontext – eine entscheidende Rolle. Was sie für Führungskräfte, Mitarbeitende, aber auch Privatpersonen tun können:+ Den Fokus auf das Positive richten: Krisen und Veränderungen hat es immer schon gegeben. Es gab Eiszeiten, Jahrhundertkatastrophen und Weltkriege.+ Ressourcen und Stärken stärken: Jeder Mensch hat innere Ressourcen und Stärken, die aktiviert und gestärkt werden können. Auch auf Ebene von Teams und Organisationskultur ist es wesentlich, sich wieder auf die eigenen Werte, Ziele und Stärken zu besinnen und neue Handlungsfelder etwa in gemeinsamen Workshops zu erschließen. Die Resilienz ihrer Klient*innen zu stärken, also die Fähigkeit, unbeschadet durch Krisen zu kommen und Veränderungen emotional besser zu bewältigen, gehört zum Herzstück der meisten Coachings. Die neue Arbeitswelt macht es vor: Agiles Arbeiten in flachen, dezentralen Einheiten macht rasches Agieren und Reagieren auf Veränderungen möglich. Man kann die allgegenwärtige Unsicherheit als „Freund“ sehen: sie ermöglicht ständig neue Chancen auf Weiterentwicklung und Lernen.+ Stress reduzieren: Entspannungs- und Atemtechniken können die eigene Selbstwirksamkeit stärken, selbst etwas in Ausnahmesituationen tun zu können. Auf Team- oder Organisationsebene können Führungskräfte und HR-Management Raum finden, um neue, effizientere und stressmindernde Arbeitsweisen auszuprobieren und entspannungsfördernde Angebote in das Unternehmen holen, etwa Achtsamkeitstrainings und Yoga.+ Loslassen und vertrauen: Das gilt für Mitarbeitende wie für Führungskräfte und überhaupt alle Menschen in Zeiten wie diesen: Kontrolliere, was du kontrollieren kannst – lass los, was du nicht kontrollieren kannst. Unserem westlichen Denken tut es gut, vom Kopf in das Wahrnehmen und Spüren zu kommen – und auch mal einfach nur zu vertrauen. Wir können so lernen, mehr als bisher zu uns selbst zu kommen und uns weniger abhängig vom Außen zu machen. Grübeln über Dinge, die sich unserer Wirkung entziehen, bringt nichts als Energieverlust. Das ist leichter gesagt als getan: auch hier können Coaches beim Erschließen neuer Denk- und Verhaltensweisen begleiten.Coachingkultur gibt SicherheitMenschen sind in der neuen BANI-Welt mental, psychisch und physisch stark gefordert. Effektiver als nur punktuell Einzelmaßnahmen zu setzen ist es, eine tiefwirkende Coaching-Kultur in den Unternehmen zu etablieren. Ein Coaching in Anspruch zu nehmen sollte keine Randerscheinung mehr sein, sondern selbstverständlich zur Persönlichkeits-, Team- und Organisationsentwicklung dazugehören. Führungskräften und Mitarbeitenden unbürokratisch und nach Bedarf rasch Zugang zu Coaches zu vermitteln, hilft dabei.Ein Coach unterstützt auf Augenhöhe dabei, besser mit eigenen Unsicherheiten und Ängsten umzugehen und eine vielleicht bedrohlich scheinende Situation vielleicht völlig neu zu bewerten. Gerade die auf vielen Ebenen geforderten Führungskräfte können hier von regelmäßigen Coachings profitieren. Dadurch entsteht auch im Unternehmen eine Kultur der Reflexion, der offenen Kommunikation und Transparenz: all das verhilft zu mehr Klarheit, Selbstvertrauen und Orientierung. Letztlich gibt Coaching auch psychologische und emotionale Sicherheit in einer Zeit, in der nichts sicher scheint. Und ermöglicht so den Menschen, mit neu gewonnener innerer Gelassenheit Neues auszuprobieren und souverän auf Veränderungen zu reagieren. Unternehmen wie Coca Cola und Wefox setzen auf eine bewusste Coaching-Kultur für mehr Resilienz und eine offene Kommunikations- und Feedbackkultur. Programmatisches Coaching hilft dabei, die Menschen, Teams und damit auch das gesamte Unternehmen in seiner Resilienz und Widerstandsfähigkeit zu stärken. Denn widerstandsfähig zu sein bedeutet nicht unbedingt, starr ein Fels in der Brandung zu bleiben – sondern wie ein Grashalm im Wind verwurzelt zu sein, aber dennoch elastisch und flexibel zu agieren.So dystopisch also BANI klingt: Die BANI-Welt kann ein unglaublich gewinnbringender Ort des Lernens und der Weiterentwicklung sein – wenn wir sie bewusst nutzen.
FAQ
Erfolg in der Führung im Wandel zeigt sich daran, wie schnell sich Performance erholt und wie effektiv neue Verhaltensweisen in der Organisation verankert werden.
Dazu gehören sowohl frühe Signale wie Klarheit, Entscheidungsfähigkeit und Vertrauen als auch langfristige Ergebnisse wie Engagement, Bindung und Produktivität. Organisationen, die sowohl Verhaltens- als auch Business-Kennzahlen messen, können Fortschritt besser verstehen, Risiken früh erkennen und Performance nachhaltig sichern.
Erfolgreiche Restrukturierung zeigt sich nicht im Organigramm, sondern darin, wie schnell sich Menschen anpassen und wie konsistent sie im neuen Umfeld performen.
Wird die Veränderungskurve nicht aktiv gesteuert, entstehen kumulative Risiken für die Performance. Dazu gehören langsamere Entscheidungsprozesse, steigende Abstimmungskosten, sinkendes Engagement und anhaltende Produktivitätsverluste.
Im Zeitverlauf fallen Teams häufig in alte Verhaltensmuster zurück, Momentum geht verloren und Veränderungsmüdigkeit nimmt zu, insbesondere wenn mehrere Transformationen aufeinander folgen.
Jede zusätzliche Woche im Einbruch erhöht die Kosten der Störung und verzögert die Realisierung von Transformationsergebnissen.
Organisationen verkürzen die Veränderungskurve, indem sie Verhaltensveränderung aktiv und im großen Maßstab unterstützen. Das erfordert mehr als einzelne Maßnahmen, sondern eine kontinuierliche Verstärkung, eine klare Ausrichtung über alle Führungsebenen hinweg und die Integration in den Arbeitsalltag.
Verhaltenswissenschaft zeigt, dass Veränderung nur dann nachhaltig ist, wenn sie konsistent über Zeit hinweg verstärkt wird. Organisationen, die strukturierte und kontinuierliche Unterstützung wie Coaching einsetzen, können Anpassung beschleunigen, Unsicherheit reduzieren und Performance schneller wiederherstellen.
Ziel ist nicht, den Einbruch vollständig zu vermeiden, sondern seine Dauer und Intensität zu reduzieren.


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