Macht durch Identifikation: Was ist das und wie setze ich es ein?

Das wesentliche Merkmal von Macht ist die Fähigkeit, andere zum Handeln zu bewegen. Aber wie entsteht diese Macht? Verdient man sie sich? Wird sie einem geschenkt? Oder muss man sie erlangen? Machtdynamiken werden bereits seit Jahrhunderten untersucht. Das Spannungsfeld zwischen der Person, die Macht ausübt, und der, die dieser Macht unterliegt, tritt immer dann auf, wenn zwei Menschen miteinander interagieren. Am Arbeitsplatz zeigt es sich bei so harmlosen Entscheidungen wie der Wahl des Restaurants zum Mittagessen, gleichzeitig aber auch bei entscheidenden Punkten wie der Frage, wo man in die Zukunft investiert. Zu verstehen, wo Macht herrührt, ist das Markenzeichen von guten Führungskräften. Und Macht durch Identifikation ist das, was hervorragende Führungskräfte auszeichnet.
Die 5 Quellen persönlicher und positioneller Macht
In den 1950er Jahren entwickelten die Sozialpsychologen John French und Bertram Raven einen Rahmen, der die Grundlagen der Macht in die Kategorien Legitimität, Sachkenntnis, Zwang, Belohnung und Identifikation unterteilt. Ein paar Jahre später fügte Raven eine sechste Kategorie hinzu: Macht durch Information.
- Die legitime Macht beruht auf der Position, die man in einer Organisation innehat. Sie kann vorübergehend sein, da sie vollständig von der hierarchischen Beziehung einer Person zu anderen abhängt.
- Macht durch Sachkenntnis auch Expertenmacht genannt ist selbsterklärend. Menschen gewinnen Macht durch Sachkenntnis, weil andere ihre Fertigkeiten und Erfahrungen anerkennen. Je mehr ihre Expertise wertgeschätzt wird, desto mehr Macht haben sie. Sachkenntnis verleiht der Dynamik eine gewisse Plausibilität.
- Macht durch Zwang basiert auf Angst, wobei Drohungen (versteckt oder offen) und Einschüchterung genutzt werden, um das gewünschte Verhalten zu erzielen.
- Macht durch Belohnung ist genau das, was der Name schon sagt. Diese Macht beruht auf der Fähigkeit, Gehaltserhöhungen, Boni und Vorteile auf Grundlage der Arbeitsleistung zu gewähren. Ihre Wirksamkeit hängt davon ab, wie gut die Menschen in der Lage sind, den Wert dieser Belohnungen gegenüber anderen zu erkennen.
- Macht durch Identifikation konzentriert sich auf die Fähigkeit, andere durch zwischenmenschliche Fähigkeiten zu beeinflussen, die Zutrauen, Vertrauen und Respekt erwecken. Diese Art von Macht wird Führungskräften von denen verliehen, die zu ihnen aufschauen.
- Macht durch Information ist der Zugang zu Informationen, die man teilen oder zurückhalten kann, um Menschen, Situationen und Ergebnisse zu beeinflussen.
Macht durch Identifikation und Macht durch Sachkenntnis gelten als am beständigsten, da sie nicht den Launen anderer unterliegen. Sie beziehen sich konkret auf die machthabende Person und sind Teil ihrer Persönlichkeit und der Art, wie diese Person auf Menschen wirkt. Im Gegensatz zu einer solchen personenbezogenen Macht beruhen die legitime Macht, die Macht durch Belohnung und die Macht durch Zwang auf einer Position, die einer Person von anderen verliehen wurde. Eine Führungskraft kann absteigen. Eine Belohnung kann in den Augen der Empfangenden schlecht gewählt sein. Der am wenigsten wirksame Weg, Macht einzusetzen, ist durch Zwang, da dies tendenziell Widerwillen auslöst.Alle fünf Machtformen haben ihre Daseinsberechtigung. Selbst die geschmähte Macht durch Zwang kann notwendig sein, wenn es darum geht, gefährliches oder unerwünschtes Verhalten schnell zu beheben. Führungskräfte sollten versuchen, alle Machtformen zu verstehen und auch den Kontext, in dem sie einzusetzen sind, um eine maximale Wirkung zu erzielen. In diesem Blog werden wir uns jedoch näher mit der Macht durch Identifikation befassen. Viele halten sie langfristig für die nachhaltigste, resilienteste und effektivste Form der Macht.
Macht durch Identifikation ist Führung, die auf Nacheiferung basiert
Wie gut sind Sie darin, andere zu inspirieren und zu überzeugen? Darin, Menschen zu bewegen und ihnen zu vertrauen? Darin, Menschen zu überzeugen, dass Ihr Weg der richtige ist? Macht durch Identifikation basiert auf dem Wunsch anderer, Macht auf eine andere Person zu übertragen. Sie wird in der Regel denjenigen übertragen, die sympathisch, glaubwürdig und respektiert sind. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten leiten andere mithilfe von Macht durch Identifikation. In allen Unternehmen und auf allen Ebenen gibt es Menschen, die diese Form der Macht souverän einsetzen. Ob von Natur aus oder antrainiert: Sie besitzen berzeugungskraft, Charisma bzw. einfach eine stille innere Stärke, denen andere nur schwer widerstehen können.
Beispiele für referenzielle Macht
Manche sagen, dass Macht durch Identifikation den Unterschied zwischen einer kompetenten Führungskraft und einer Führungskraft als wirklich starkem Leader ausmacht. Oder wie Steve Jobs, Mitbegründer von Apple, es ausdrückte: Management bedeutet, Menschen zu Dingen zu bewegen, die sie nicht tun wollen, während Leadership bedeutet, Menschen zu Dingen zu inspirieren, die sie nie für möglich gehalten hätten. Jobs Fähigkeit, andere zu inspirieren, war legendär. Wie er, hatten auch die Menschen, die für Apple arbeiteten, das Verlangen, die Welt positiv zu verändern. Er war ein zäher Lehrmeister mit einem launenhaften Charakter, der dem Zwang nicht komplett abgeneigt war. Allerdings waren es seine Leidenschaft für elegante Innovation und seine Fähigkeit, diese Leidenschaft auch in anderen freizusetzen, die dazu führten, dass die Leute ihm folgten und ihm zur Seite standen.Die Menschen täten auch gut daran, dem Beispiel von Yvon Chouinard zu folgen. Als junger Bergsteiger verkaufte er handgefertigte Ausrüstung, um seine Leidenschaft finanzieren zu können. Später gründete er den Outdoor-Ausstatter Patagonia und zog Gleichgesinnte an, die das Unternehmen zu einer weltweit bekannten Marke mit einem Marktwert von mehreren Milliarden Dollar entwickelten, die 1 % ihres Umsatzes für Umweltschutzzwecke spendete. Die Marke selbst drückt den Zweck dahinter so aus: Es ist unser Ziel als Unternehmen, unseren Planeten zu retten. Chouinard hat das Unternehmen kürzlich an eine Stiftung und eine gemeinnützige Organisation übergeben, die die beträchtlichen Gewinne zur Bekämpfung der Klimakrise und zum Schutz der Natur einsetzen werden. Wenn wir überhaupt Hoffnung darauf haben wollen, in 50 Jahren einen blühenden Planeten zu haben geschweige denn ein florierendes Unternehmen , dann müssen wir alle mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen unser Möglichstes tun, so Chouinard in einem offenen Brief. Wenn Macht durch Identifikation bedeutet, andere dazu zu inspirieren, Ihrer Leidenschaft (ganz zu schweigen von ihrer eigenen) zu folgen, ist Chouinard wohl ein perfektes Beispiel dafür.
So entwickeln Führungskräfte mithilfe von Coaching
Macht durch Identifikation kann als eine der Soft Skills angesehen werden, die es Menschen ermöglichen, sich zu vernetzen, zusammenzuarbeiten, andere zu inspirieren und beruflich wie privat erfolgreich zu sein. Man kann Macht durch Identifikation wie Steve Jobs nutzen, um Innovationen voranzutreiben. Man kann sie aber auch wie Yvon Chouinard einsetzen, um Entwicklungen zum Wohlergehen anderer zu beeinflussen. Für diejenigen, die diese Fähigkeit nicht von Geburt an besitzen, ist die gute Nachricht: Macht durch Identifikation in Führungspositionen einzusetzen, kann man mithilfe von Mentoren und professionellen Coaches erlernen. Während 77 % der Top-Führungskräfte Soft Skills als ihre gröte Schwäche bezeichnen, schneiden 85 % derer, die ein Coaching erhalten, beim Einsetzen dieser Fertigkeiten besser ab als ihre Kolleg:innen.CoachHub Executive Coaches kennen sich gut mit den Quellen der Macht aus und auch damit, wie man sie einsetzt. Sie helfen Führungskräften dabei, die Nuancen der einzelnen Machttypen zu verstehen und auch, in welchem Kontext sie am effektivsten sind. Das Coaching bietet einen sicheren Raum für Gespräche und Experimente, bei dem Führungskräfte die Grenzen der Macht durch Identifikation erforschen können. Die Coaches geben Beispiele auf Grundlage ihrer Erfahrungen und zeigen Möglichkeiten auf, mit denen sich Neulinge im Bereich der Macht durch Identifikation sonst vielleicht nicht näher beschäftigt hätten. Auerdem helfen die Coaches Führungskräften dabei, auch die Fallstricke dieser Machtform zu verstehen wie etwa blinde Hingabe, die Menschen davon abhält, wichtige Fragen zu stellen oder Bedenken zu äuern.Weitere Informationen zur Entwicklung und effektiven Nutzung von Macht durch Identifikation in Führungspositionen finden Sie auf unserer Website.
FAQ
Digitale Transformation bedeutet, Geschäftsmodelle, Prozesse und Wertschöpfung grundlegend neu auszurichten, um in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld erfolgreich zu bestehen.
KI entfaltet ihre transformative Wirkung jedoch nur dann, wenn sie konsequent in operative Abläufe, Führungsgrundsätze und die Unternehmenskultur integriert wird. Ohne strukturelle Anpassungen und veränderte Arbeitsweisen bleibt KI ein leistungsfähiges Instrument mit begrenzter strategischer Tragweite.
Ist KI nachhaltig verankert, stärkt sie Innovationsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit. Sie fungiert sowohl als Beschleuniger der digitalen Transformation als auch als strategische Kernkompetenz im modernen Unternehmen.
Die Einschätzung der KI Reife beschränkt sich nicht auf eine Bewertung der technischen Infrastruktur. Entscheidend ist ebenso, ob strategische Klarheit im Führungskreis besteht und ob die Organisation über die notwendige Veränderungsfähigkeit verfügt.
Zentrale Leitfragen können sein:
- Gibt es im Top Management ein einheitliches und verbindliches Zielbild für den Einsatz von KI?
- Werden Prozesse und Rollen aktiv weiterentwickelt, um KI sinnvoll und effizient einzubinden?
- Sind Führungskräfte ausreichend qualifiziert, um ihre Teams durch Unsicherheit und Wandel zu führen?
- Verfügen Mitarbeitende über die erforderlichen Kompetenzen und das Vertrauen, KI verantwortungsvoll und zielgerichtet einzusetzen?
- Existiert ein strukturierter Maßnahmenplan, um Verhaltensänderungen nachhaltig zu begleiten?
KI Reife ist in gleichem Maße eine Frage der Haltung und Kompetenz wie der Technologie. Unternehmen, die gezielt in Führungskräfteentwicklung, Veränderungsfähigkeit und eine belastbare Leistungsmessung investieren, schaffen die Voraussetzungen, um strategische KI Vorhaben dauerhaft in messbare Ergebnisse zu überführen.
Die zentralen Herausforderungen liegen in der Regel nicht im technologischen Bereich, sondern auf der Ebene von Verhalten und Organisation. Typische Hürden sind kulturelle Widerstände, Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen Rolle, unklare Zielbilder sowie fehlende Abstimmung im Führungskreis.
Darüber hinaus wird der Aufwand für nachhaltige Verankerung häufig unterschätzt. Eine einmalige Einführung oder ein isoliertes Trainingsangebot reicht meist nicht aus. Ohne kontinuierliche Begleitung, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Reflexionsräume verliert die Initiative an Dynamik und die Integration stagniert.



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