Empathie: Was sie ist, was sie bringt und wie Führungskräfte mehr von ihr bekommen und zeigen

CoachHub · 29 August 2022 · 6 min read

Gasknappheit, Ressourcen- und Fachkräftemangel, Klimawandel und die daraus resultierenden Ungewissheiten stellen uns alle unweigerlich vor vielen Herausforderungen.Aber ganz besonders Führungskräfte, die ja auch noch wissen sollen, wo’s lang geht – ganz gleich, wie viel sie außerhalb des Berufs zu leisten haben. Empathie hilft Führenden  im Umgang mit sich selbst und mit anderen, um erfolgreich durch stürmische Zeiten zu kommen. Hier elf Dinge, die Sie über Empathie wissen sollten.

Was Empathie ist

Empathie ist eine der drei für einen guten Kontakt förderlichen Grundhaltungen nach Carl Rogers, dem berühmten humanistischen Psychologen, Therapeuten und Forscher. Authentizität, Wertschätzung und eben Empathie für das Gegenüber, so Rogers, seien die wichtigsten Bausteine für einen guten Kontakt im Miteinander. Wenn Sie nun fünf Expert:innen fragen, was mit “Empathie” eigentlich genau gemeint ist, bekommen Sie in der Regel sechs verschiedene Antworten. Um nochmal auf Carl Rogers zurückzukommen – er sieht Empathie so: „den inneren Bezugsrahmen des anderen möglichst exakt wahrzunehmen, gerade so, als ob man die andere Person wäre – jedoch ohne jemals die ‚als-ob‘-Position aufzugeben“. Sich hineinfühlen und hineindenken können in eine andere Person, das wollen wir erstmal hier unter Empathie verstanden wissen.

Christian Thiele - Empathie

Was Empathie bringt

Gerade in Zeiten von Umbruch, Ungewissheit, Unmut kann Empathie ein wirksames Gegenmittel sein. Unter empathischer Führung fühlen sich Mitarbeitende innovativer, motivierter, und sie sind auch weniger geneigt zu kündigen.

Auch gibt es Studien, wonach besonders empathische Führungskräfte von ihren eigenen Vorgesetzten als besonders leistungsfähig eingeschätzt werden. Unternehmende mit ausgeprägter Empathie sind, das legt eine ausgiebige Auswertung wissenschaftlicher Papers nahe, emotional widerstandsfähiger im Umgang mit Herausforderungen, werden von Kundschaft und Belegschaft besser bewertet, sind besser in der Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte und führen zu weniger Stressempfinden unter den Mitarbeitenden.

In einem weniger empathischen Arbeitsumfeld berichten Mitarbeitende typischerweise über niedrigeres Wohlbefinden: es herrscht eher eine Ellenbogenmentalität, die sich in sinkender Produktivität, Qualität und Arbeitgeberloyalität äußert.

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Empathie hat zwei Seiten

Wie gesagt, die unterschiedlichen Sichtweisen auf Empathie betonen Verschiedenes, aber in der Empathie-Forschung hat sich als Konsens herausgestellt, dass Mitgefühl zwei Säulen hat: eine kognitive und eine emotionale. Wahrnehmen und verstehen, wie es um das Gegenüber emotional gerade so steht, oder das zumindest zu versuchen, sich in die/den anderen hineinDENKEN – das ist die eine Seite von Empathie. Mit der affektiven Seite von Empathie ist das EinFÜHLEN in das Gegenüber gemeint, also eine am besten warme, nährende Verbindung mit der/dem anderen eingehen, ein Mitschwingen auf der Gefühlsebene.

 

Empathie heißt nicht…

… nur Sympathie für wen anders haben

… Mitleid empfinden – das kann sogar herabwürdigend sein

… einfach die Worte des anderen nachplappern

… bedingungslos alles gutzuheißen, was die oder der andere tut, meint, sagt

 

Sie müssen auch nicht die Erfahrungen des enttäuschten oder aufgebrachten Gegenübers teilen, sie müssen nicht mal im Moment die Enttäuschung oder die Wut der anderen Person mitfühlen – sie wahrzunehmen, anzuerkennen, das reicht schon.

 

Von Schweinsteiger und Co. lernen

Können Sie sich noch an den 8. Juli 2014 erinnern? WM-Halbfinale Brasilien-Deutschland, am Ende steht 1:7 auf der Anzeigentafel. Schweinsteiger, Lahm, Müller & Co. haben die Fußballmacht deklassiert, vor heimischem Publikum. Ehrenrunde, Jubelgesänge? Gibt es von der deutschen Elf erstmal nicht zu sehen, stattdessen streichelt Thomas Müller seinem brasilianischen Vereinskollegen Dante tröstend den Kopf, umarmt Schweinsteiger den brasilianischen Coach, fast schon entschuldigend. Die Spieler zeigen Mitgefühl mit den gedemütigten Brasilianern. Viele wissen selbst, wie bitter Niederlagen schmecken können. Die vermeintlich kühle deutsche Panzertruppe gewinnt weltweit Sympathien für ihre sportlich-faire Anteilnahme gegenüber dem Verlierer. In seinem lesenswerten Buch „Empathie – die Macht des Mitgefühls“ beschreibt der Mediziner und Wissenschaftsautor Werner Bartens diese Szene ausführlich – und erklärt, welche positiven Effekte Nähe und Empathie im Geschäftsleben und Sport haben. 

Wenn also nächstes Mal Sie statt der Kollegin befördert werden, wenn Ihrem Kollegen ein Missgeschick passiert: Wie könnte da eine Portion Mitgefühl im Sinne des deutschen Sieges über die Brasilianer aussehen? Wie könnten Sie Einfühlung und Empathie zeigen? 

 

Empathie lässt sich lernen und erleben

Es gibt zwar, wie bei vielen Persönlichkeitsstilen, ein eher stärker oder eher schwächer ausgeprägtes angeborenes Talent zum Mitgefühl. Aber durch Reflektion, Training und Coaching lässt sich der Empathie-Muskel auch stärken. Folgende Anregungen können dabei helfen:

 

Sie hören empathisch zu…

– wenn Sie sich mit Ratschlägen, Belehrung, Bewertung zurückhalten; 

– wenn Sie – zumindest gelegentlich – in Vergleichen, Metaphern zusammenfassen, was Sie hören;

– wenn Sie neben den reinen ZDF-Inhalten (Zahlen, Daten, Fakten) auch Wünsche, Ich- und Beziehungs-Aussagen heraushören: Was sagt die/der andere jetzt eigentlich über sich? Was braucht die/der andere jetzt möglicherweise? Wie empfindet sie/er unser Miteinander? Friedemann Schulz von Thuns Modell der vier Ohren kann dabei helfen. Ein guter Coach kann Sie dabei unterstützen, mehr auf die Unter- und Zwischentöne hören zu lernen!

 

Mitgefühl mit mir stärkt Mitgefühl mit anderen

Geben kann nur, wessen Gefäße selbst guten Füllstand haben. Auch um die so genannte „compassion fatigue“ zu vermeiden, die Überforderung und das Ausbrennen durch zu viel Anteilnahme und Einfühlen für andere, sollten Sie sich auch immer wieder um sich selbst kümmern. Das heißt auch innere Komplizenschaft oder Selbstmitgefühl mit sich selbst üben (mehr dazu in „Selbstmitgefühl: Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden“ und den anderen Büchern von Kristin Neff  – sowie in dieser Podcastfolge oder diesem Blogpost). 

 

Wer fragt, fühlt

Sie kennen vielleicht den Spruch: „Wer fragt, führt.“ Aber wer richtig fragt, also offen, mit echtem Interesse, ohne schon die Antwort zu wissen, fühlt sich auch in das Gegenüber ein. Fragen Sie, wie es Ihren Mitarbeitenden geht. Was ihnen gerade gefällt und gut tut, was sie belastet – im Job, im Leben. Gute Coach:innen stellen viele Fragen, offene Fragen, oder auch systemische Fragen wie: „Wie würde Müller das jetzt sehen?“ oder „Wie geht es wohl Huber mit den von Ihnen angesprochenen Punkten?“ Diese Fragen fragen nicht nur Information ab, sie können auch Erkenntnis generieren, zu einer inneren Suchbewegung beim Befragten führen – und damit auch das Miteinander im Gespräch verstärken.

 

Dunkle Seiten der Empathie

Wie bei fast allem ist es auch bei Empathie häufig eine Frage der Dosis. Sehr, sehr, sehr empathischen Führungskräften könnte es an Konfliktfähigkeit und Entscheidungsstärke mangeln. Da Empathie eine sehr soziale Seite hat, steht ein Übermaß an Empathie auch mit der Gefahr von Burnout im Zusammenhang

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Von der Filmfigur Momo lernen

Von Momo lernen heißt, einfühlen und zuhören lernen! Kennen Sie diese wunderbare Filmpassage, in der Momo den Vogel, der seit einem halben Jahr nicht mehr gesungen hat, zum Trällern bringt – indem sie ihm einfach nur still und aufmerksam zuhört? Sie sagt: „Ich glaub man muss ihm zuhören – auch wenn er nicht singt.“ Und im Buch heißt es: „…so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte; nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.“

Christian Thiele ist Coach, Trainer & Speaker für Positive Psychologie und Positive Leadership. Seine Bücher sind „Positiv führen für Dummies“ (Wiley), „Stärken erkennen und nutzen“ (Haufe) und „Praxisbuch Positive Leadership“ (Haufe). Christians Podcast „Positiv Führen“ ist auf diversen Plattformen zu hören. Er gehört zum Dozententeam im ersten deutschen Master-Studiengang für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Sport und Gesundheit und zum Trainerteam der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie.

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