5 Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit, die Unternehmen nicht unterschätzen sollten

CoachHub · 14 June 2022 · 6 min read

Wenn Ihr Unternehmen eine eigene Strategie für mehr ökologische Nachhaltigkeit verfolgt, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie bereits in irgendeiner Form Maßnahmen ergriffen haben. Vielleicht gleicht Ihre Initiative die Auswirkungen auf die Umwelt im Rahmen naturbasierter Klimaschutzmaßnahmen (Natural Climate Solutions, kurz NCS) aus, beispielsweise durch das Pflanzen von Bäumen. Oder Sie setzen bereits einen umfassenden Plan zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Zusammenhang mit Ihren Produkten und Dienstleistungen oder sogar der Produktions- und Lieferkette um. So verfolgen Sie vielleicht das Ziel, eine umweltfreundlichere Formel für Ihr Waschmittel zu finden, oder Sie denken darüber nach, in Sachen Logistik mehr auf den Schienenverkehr zu setzen.

Die meisten Unternehmen, die einen umfassenden und strategischen Ansatz für mehr ökologische Nachhaltigkeit verfolgen, versuchen auch, die Emissionen ihrer Kundschaft und Mitarbeitenden zu reduzieren. Diese Unternehmen bemühen sich darum, die Entscheidungen ihrer Stakeholder mittels informativer Kommunikations- und Bildungsinitiativen zu beeinflussen.

Um jedoch das Maß an Veränderung zu erreichen, das im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 (COP26) gefordert wurde, und um den globalen Temperaturanstieg auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen wir als Gesellschaft noch wesentlich weiter gehen. Es geht dabei schon lange nicht mehr nur um Frage nach der genauen Gradzahl, sondern darum, dass endlich ein erhebliches Umdenken stattfinden muss. Für manche mag das beängstigend klingen, vielleicht sogar unmöglich, aber was Unternehmen gerade im ersten Jahr der Pandemie in 2020 an Veränderungen umgesetzt haben, hat gezeigt, wie flexibel sie tatsächlich sein können.
Doch wie lässt sich dieser Nachhaltigkeitswandel auf globaler Ebene wirksam, schnell und durchdringend gestalten?

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1. Eine Nachhaltigkeitsstrategie sollte als systemischer Wandel verstanden werden, der sowohl harte als auch weiche Elemente umfasst.

Wenn Unternehmen nachhaltiger werden möchten, ist das ein komplexes Transformationsunterfangen, bei dem viele Variablen ins Spiel kommen, die die Rahmenbedingungen schnell beeinflussen können. Neben der Veränderung von Strukturen, Prozessen und Instrumenten – in Fachliteratur zum Thema Change Management wird dies als die „harte Seite des Wandels“ bezeichnet – ist es notwendig, eine entsprechende Kultur oder „Nachhaltigkeitsmentalität“ zu schaffen, die Werte und Kompetenzen mit strategischen Zielen in Einklang bringt – auch bekannt als die „weiche Seite des Wandels“.

Unternehmen haben die Risiken von Veränderung erst kürzlich im Rahmen der digitalen Transformation zu spüren bekommen: Nur diejenigen, die ihre Mitarbeitenden über den gesamten Veränderungsprozess hinweg unterstützt und einbezogen haben, konnten überzeugende Ergebnisse erzielen (Tabrizi et al., 2019).

Ökologische Nachhaltigkeit ist daher in großem Maßstab nicht realisierbar, wenn die Menschen nicht einbezogen werden. Es ist unbedingt notwendig, dass sie eine Vision unterstützen, die häufig im Widerspruch zum Status Quo steht.

2. CEOs und Vorstandsmitglieder benötigen Reflexionsvermögen und eine langfristige Perspektive, um mutige Konzepte für die Zukunft zu entwickeln.

Sylvia Scherer war sieben Jahre lang im Team für Nachhaltigkeitsstrategie bei der BMW Group tätig. Sie ist Business Coach und gehört auch dem Advisory Board von CoachHub an. Sylvia betont stets, wie wichtig es ist, die richtigen Kompetenzen zu entwickeln, um mutige, positive Visionen für die Zukunft zu formulieren und diese auch zu kommunizieren. Schließlich erfordert Nachhaltigkeit ein Umdenken in Bezug auf Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und vieles mehr – so auch in einer Branche, in der das Autofahren ein Symbol für Freiheit ist und selbstfahrende Autos eine gewaltige Veränderung darstellen. „Noch vor einigen Jahren konnten sich nur wenige Führungskräfte in der Automobilindustrie Autos ohne Lenkrad vorstellen“, erzählt sie.

Um Fortschritte zu erzielen, müssen CEOs jedoch eine Vision kommunizieren können, hinter der sie selbst stehen. Nur so können sie die nötige Zugkraft erzeugen und entsprechend agieren.

Studien zur „Reflexionsfähigkeit“ von CEOs zeigen eine starke Korrelation zwischen der Performance des Unternehmens in Sachen Nachhaltigkeit und eben dieser Fähigkeit. Reflexionsfähigkeit ist sowohl Selbst- als auch Systembewusstsein und erlaubt es, Beobachtungen aus einer Meta-Perspektive anzustellen und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Menschen, die reflexionsfähig sind, nutzen verschiedene Informationsquellen und einen ganzheitlichen Ansatz, um ein besseres Verständnis für den Kontext zu erlangen. Wir wissen nämlich, dass unser Gehirn bei der Lösung komplexer Probleme dazu neigt, sich auf schnelles, automatisches Denken zu verlassen – das bietet jedoch nur eine teilweise und begrenzte Rationalität. Zu diesem Zweck ist es nützlich, sich in Erinnerung zu rufen, dass im Mittelpunkt des Coaching-Prozesses die Reflexivität steht, die die Flexibilität und das strategische Denken des Coachees im Umgang mit organisatorischer Ungewissheit und der Reaktion auf aufkommende, unvorhersehbare Probleme (Day et al., 2008) sowie die Erweiterung des persönlichen Bewusstseins und der Erkenntnisse (Grant, 2007) fördert.

3. Unternehmen sollten ihre eigenen Werte in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit hinterfragen und gegebenenfalls überarbeiten sowie Führungskräfte dabei unterstützen, diese Werte in ihrem Handeln widerzuspiegeln.

Wertebasiertes Coaching ist in diesem Fall eine hervorragende Ergänzung, da es uns ermöglicht, unsere eigenen Werte zu ergründen. So verstehen wir besser, wie sie unsere Entscheidungen beeinflussen und inwiefern sie mit den Werten des Unternehmens übereinstimmen. Dieses Bewusstsein motiviert uns dazu, unsere Verhaltensweisen nachhaltig zu verändern, denn so können wir auch im Einklang mit eben jenen Werten handeln, die sich für uns als grundlegend erweisen. Darüber hinaus ist es einfacher, Widersprüche zu vermeiden, die dann entstehen, wenn unsere Werte und unser Handeln nicht aufeinander abgestimmt sind.

4. Führungskräfte und „Change Agents“ sollten Fähigkeiten entwickeln, die speziell auf das Thema Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

In einem Beitrag zum Thema „Fähigkeiten für ökologische Nachhaltigkeit“ (Dzhengiz & Niesten 2019) werden sogenannte „Umweltkompetenzen“ wie folgt definiert:

  • systemisches Denkvermögen, um selbst in besonders komplexen Szenarien Entscheidungen treffen zu können
  • „Interaktionsfähigkeiten“, um Beziehungen zu mehreren Interessengruppen zu pflegen und deren unterschiedliche Perspektiven zu verstehen, aber auch um mit ihnen zu kommunizieren und sie zu beeinflussen
  • Fähigkeiten in Bezug auf Empathie gegenüber sozialen, ethischen und ökologischen Fragen sowie die Fähigkeit, aus einer langfristigen Perspektive heraus zu denken und zu handeln

Technisches Wissen allein reicht also nicht aus, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht. Eine gezielte persönliche Entwicklung kann für Führungskräfte und Change Agents, die an der Umsetzung von Initiativen für mehr Nachhaltigkeit beteiligt sind, ein entscheidender Faktor sein.

Eines der wirksamsten Instrumente hierfür ist das systemische Coaching, das sich stark auf die Theorien von Peter Senge stützt. Auf diese Weise lernen Coachees zu verstehen, was ihre Aufgabe im gesamten System ist, wie sie dieses beeinflussen können und wie sie Verantwortung übernehmen können.

5. Damit Veränderungen möglich sind, muss jede einzelne Person im Unternehmen Verantwortungsbewusstsein und Selbstwirksamkeit lernen.

Wir wissen, dass Menschen oft defensiv reagieren, wenn sie eine Veränderung als stressig und unvorhersehbar erleben. Das Spektrum reicht dabei von Ablehnung über Frustration und Wut bis hin zu einem Gefühl der Hilflosigkeit.

Wenn eine Person jedoch das Gefühl hat, Einfluss auf das System nehmen zu können, ist sie kein wehrloses Opfer mehr, sondern direkt am Wandel beteiligt. Wir alle kennen dieses Gefühl aus den frühen Anfängen der Covid-19-Pandemie. Damals fühlten wir uns machtlos angesichts der Geschehnisse, doch kleine alltägliche Dinge wie Händewaschen oder das Tragen eines Mundschutzes halfen uns, die Kontrolle über eine unkontrollierbare Situation ein Stück weit wiederzuerlangen. Aus diesem Grund ist Selbstwirksamkeit ein Schlüsselfaktor, der Menschen hilft, mit neuen, unvorhersehbaren oder stressigen Situationen umzugehen (Schunk, 1983). In diesem Zusammenhang hat sich gezeigt, dass Coaching sowohl die Selbstwirksamkeit (Baron und Morin, 2010) als auch eine lösungsorientierte Denkweise (Grant et al., 2012) fördert.

Um wirklich tiefgreifende, nachhaltige Veränderungen herbeizuführen, müssen Unternehmen bei den Menschen ansetzen, die hinter ihnen stehen: Dazu gehört, dem Planeten die gleiche Priorität einzuräumen wie dem eigenen Geschäft und jeder einzelnen Person im Unternehmen zu vermitteln, dass wir alle Verantwortung übernehmen müssen.

Wir bei CoachHub sind bereit, unseren Teil zur Lösung dieser Herausforderung beizutragen.

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